Beziehung/09_Trennung_Brief_Eltern

An meine Eltern — Erklärung zur Trennung von Steffi

Stand: 07.10.2026 Hinweis: Dies ist eine Vorlage für dich. Fass den Inhalt in deine eigenen Worte und lies nichts 1:1 ab — es soll kein abgelesener Text sein, sondern deine eigene, persönliche Ansprache. Am besten spricht du nicht per Mail, sondern führt ein persönliches Gespräch. Und zwar zuerst die Mutter, allein.


Liebe Mama, lieber Papa, ich weiß, dass ihr vieles mitbekommen habt — die Streits, die Stille, die Momente, in denen ich müde und leer nach Hause kam. Und ich weiß, dass ihr manches mitgemacht habt, ohne dass ich es ausgesprochen habe. Deshalb sage ich es jetzt, direkt und ehrlich: Ich werde von Steffi gehen. Nicht aus einem Impuls. Nicht aus einer einzelnen Krise. Das, was passiert ist, ist nicht neu — es ist das Ergebnis von Jahren, in denen zwei Menschen, die sich liebten, immer weiter auseinandergerückt sind.

Was ich euch sagen will

Steffi und ich haben uns geliebt. Das war echt, und es ist nichts davon weg, was echt war. Aber was von Anfang an nicht geklappt hat, ist die Nähe. Die körperliche Nähe vor allem. Wenn Stress kam — ein kranker Hund, ein harter Monat auf der Arbeit, die Kinder — war bei ihr für Wochen und Monate einfach nichts mehr da. Nicht aus Kälte. Nicht weil sie mich nicht wollte. Sondern weil ihr System unter Stress so funktioniert. Und mein Alltag — die 39 Stunden, die Schichten, das Chaos zu Hause — hat bedeutet, dass fast immer Stress da war. Also fast immer nichts.

Wir haben versucht, es zu lösen. Wir haben geredet, Pläne gemacht, Systeme gebaut. Im Urlaub, wenn der Stress weg war, kam sie plötzlich von sich aus an. Und genau das hat mir gezeigt, was das Problem ist: nicht sie. Nicht ich. Sondern die Struktur, in der wir gelebt haben. Und die lässt sich nicht wegreden. Und dann war da noch das zweite: Ich habe mich immer mehr verdrängt gefühlt. Aus dem Zentrum unseres Lebens. Wir haben gelebt wie eine Zweck-WG — unter einem Dach, aber nicht mehr zusammen.

Was mir jeden Tag fehlt

Das ist der Teil, den ich euch sagen will, weil er wichtig ist: Mir fehlt es, gewollt zu sein. Ohne dass ich fragen muss. Ohne dass ich es einfordern muss. Mir fehlt eine Frau, die mich nach der Arbeit begrüßt, weil sie mich vermisst hat. Die sich einfach hinsetzt, weil sie es will. Die morgens neben mir ist, weil sie da sein will. Mir fehlt es, mich fallen lassen zu können. Jemand zu sein, bei dem ich nicht aufpassen muss, ob der Ofen an ist. Bei dem ich nicht raten muss, woran ich bin. Bei dem ich schwach sein darf, ohne dass es sich wie eine Last anfühlt.

Mir fehlt es, dass jemand von sich aus kommt. Nicht weil ich es will. Sondern weil sie es will. Dieses „Ich will dir dienen, ich will dich glücklich sehen” — das ist mir genauso wichtig wie Sex. Mehr sogar. Es ist der Teil, der mir sagt: Du bist mein Mensch. Du bist nicht nur der, der die Rechnungen zahlt und die Schichten fährt. Und ja — mir fehlt der Sex. Der regelmäßige, der animalische, der, bei dem wir beide da sind. Wir können richtig, richtig guten Sex haben. Das Problem ist, dass es viel zu selten kommt. Und dass ich seit Jahren in einer Beziehung lebe, in der ich aufpassen muss, ob ich es mir holen darf. Das ist kein Vorwurf. Das ist das, was mir fehlt. Und das ist der Grund.

Was jetzt passiert

Steffi hat zwei Wochen räumliche Trennung vorgeschlagen, um nachzudenken. Ich nehme sie an. In diesen zwei Wochen werde ich mir eine Wohnung bei euch nehmen — oder bei wem auch immer es passt. Ich brauche die Ruhe. Und ich brauche einen Ort, an dem ich nachdenken kann, ohne jeden Tag abgefragt zu werden. Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Aber ich weiß, was ich will: Eine Frau, bei der ich mich willkommen fühle. Bei der ich mich fallen lassen kann. Die auf mich eingeht und mir von selbst etwas anbietet. Die mein ADHS versteht und trotzdem eigene Stabilität mitbringt. Und ich weiß, was ich nicht will: Noch 20 Jahre in einer Zweck-WG zu leben, in der ich aufpassen muss, ob der Ofen an ist.

Was ich euch versprechen kann

Die Kinder. Leon und Lia verlieren nichts. Sie verlieren nicht ihren Vater. Sie verlieren eine Familienform — und sie bekommen einen Vater, der da ist. Ein Vater, der nicht innerlich schon weg ist. Ein Vater, der nicht müde und leer nach Hause kommt und dann noch genervt ist. Das ist nicht weniger. Das ist mehr. Und ich verspreche euch, dass ich das nicht leichtfertig tue. Ich habe es lange genug in mir getragen. Ich habe es lange genug aufgeschoben. Und jetzt tue ich es.

Was ich von euch brauche

Nicht viel. Euer Ohr. Euren Arm. Dass ihr mich nicht fragt, ob ich sicher bin. Dass ihr mir nicht sagt, ich solle es noch mal versuchen. Ich weiß, was ich tue. Und ich weiß, dass es wehtut. Aber es ist der richtige Schritt. Und: Ich brauche die zwei Wochen. Und ich brauche euren Platz. Oder einen anderen. Was auch immer geht.

Was ich nicht brauche

Dass ihr mich tröstet, als wäre ich kaputt. Ich bin nicht kaputt. Ich bin frei. Und das fühlt sich zum ersten Mal seit Jahren so an, als würde etwas richtig werden. Ich liebe euch. Und ich bin froh, dass ihr da seid. Euer Simon


Last modified: Fri Oct 9 23:01:39 2026