Stand: 07.10.2026 Hinweis: Vorlage. In eigene Worte fassen. Dieser Brief lässt die Tür offen, wie du es willst — er sagt nicht „ich gehe”, sondern „ich weiß nicht, ob es klappt, und ich nutze die zwei Wochen, um es zu erfahren”. Wenn deine Entscheidung fester ist, kann das Ende entsprechend angepasst werden.
Liebe Steffi,
ich schreibe dir das, weil ich es dir nicht gut genug sagen kann, wenn ich es mündlich sage und du mich dann abfragst. Du hast mir zwei Wochen Pause gegeben, um nachzudenken. Ich nehme sie an. Ganz. Ohne wenn und aber.
Zuerst die Finanzen, damit es keine Überraschung gibt:
Ich habe mit meinen Eltern gesprochen. Ich muss dir ehrlich sein: Sie können die zwei Wochen nicht finanzieren. Das Erbe schwindet schneller, als wir dachten, und sie brauchen das Geld dringend für ihre eigenen Ausgaben. Das ist keine Ausrede — das ist die Realität. Das bedeutet: Ich organisiere mir die zwei Wochen selbst. Günstig, aber real. Ich sage dir, wo ich bin, und ich bin erreichbar, wenn es um die Kinder geht. Mehr nicht.
Und jetzt das, was du von mir wissen musst, weil ich es dir schulde:
Ich weiß nicht, ob wir kompatibel sind.
Das sage ich nicht aus Wut. Das sage ich, weil ich es seit Monaten in mir trage und du es von mir verdient hast.
Ich habe gesehen, wie unser Sex funktioniert — und wie er es nicht tut. Wenn Stress kommt, ist bei dir für Wochen und Monate der Ofen aus. Das ist kein Fehler von dir. Das ist, wie dein System funktioniert. Und ich habe gesehen, wie es bei mir aussieht: Ich brauche Nähe, regelmäßig, auf einem Niveau, das bei uns fast nie da ist. Und ich habe gesehen, was passiert, wenn ich es mir hole, wo es nicht ist: Ich stoße gegen Abwehr. Gegen Genervtheit. Gegen ein „nein”, das nicht „ich will es nicht” bedeutet, sondern „ich kann es gerade nicht”.
Und ich habe gesehen, was passiert, wenn der Stress weg ist: Im Urlaub bist du von dir aus an mich herangekommen. Und das hat mir gezeigt, was das Problem ist. Nicht du. Nicht ich. Die Struktur, in der wir gelebt haben.
Und jetzt mein Traum:
Ich hatte einen Traum. Eine lebenslange Beziehung mit dir. Vater, Mutter, Kinder. Diese Wohnung. Das Zusammenleben. Das habe ich ernst gemeint, jeden Tag. Und diesen Traum habe ich nicht aufgegeben — er lebt noch in mir.
Aber ich weiß nicht, ob wir beide bereit sind, uns in dem Maße zu verändern, der dafür nötig ist.
Für mich heißt das: Mein Job. 39 Stunden, 12-Tage-Schichten, chronisch überarbeitet. Das ist der größte Stressor in unserem Leben, und ich kann es nicht wegselbstfürsorgen. Wenn ich es nicht ändere, ändert sich nichts.
Für uns beide heißt es: Wie wir kommunizieren. Wie wir Nähe einfordern, ohne uns anzugreifen. Wie wir miteinander umgehen, wenn einer am Limit ist.
Ich weiß nicht, ob wir das hinbekommen. Nicht weil wir es nicht wollen. Sondern weil ich nicht weiß, ob wir es können — nicht in dem Maße, nicht in dem Tempo, das mein Leben braucht.
Was ich dir sage:
Ich nutze die zwei Wochen. Ich denke nach. Nicht nur über uns — über mich, über mein Leben, über das, was ich will und was ich bereit bin zu geben.
Und wenn ich zurückkomme, sage ich dir, was ich entschieden habe. Ehrlich. Ohne Umwege. Ohne indirekte Fragen.
Ich bin nicht wütend auf dich. Ich bin nicht wütend auf mich. Ich bin nur müde. Und ich will nicht noch 20 Jahre in einer Zweck-WG leben, in der ich aufpassen muss, ob der Ofen an ist.
Aber ich will auch nicht aufhören zu hoffen, dass es klappt. Nicht weil du es wert bist — das bist du nicht. Sondern weil ich es wert bin, es zu versuchen. Und weil du es wert bist, es zu versuchen.
Ich liebe dich. Und ich werde dir sagen, was ich entscheide.
Dein Simon
Last modified: Fri Oct 9 17:38:33 2026